KI Academy Leipzig · Deep Dive15.10.2026

Azure schaltet heute vier Modelle ab. Die Ersatzspalte ist leer, der Katalog nicht.

Microsoft hat am 15. Oktober 2026 vier KI-Modellversionen in Azure abgeschaltet, darunter zwei für Transkription und Sprachausgabe, und nennt keinen Ersatz. Wer die Versionsnummer seiner Anwendung kennt, findet den Umzugsweg in derselben Liste. Wer sie nicht kennt, erfährt es heute über eine Fehlermeldung.

Für Geschäftsführung und KI-Verantwortliche · Veröffentlicht: 22. Oktober 2026 um 14:21

Hinweis zur KI-NutzungDieser Deep Dive wurde mit KI-Unterstützung recherchiert und verfasst. Jede Kernaussage ist an einer selbst abgerufenen Quelle geprüft, und am Ende steht, was nicht belegt werden konnte. Er ist eine Einordnung und keine Rechtsberatung. Redaktionell verantwortlich: Ingo Günther, KI Academy Leipzig.

Was passiert ist. Zum 15. Oktober 2026 hat Microsoft in Azure AI Foundry vier Modellversionen abgeschaltet: gpt-4o-transcribe und gpt-4o-mini-transcribe (beide in der Fassung vom 20. März 2025, sie wandeln Sprache in Text), gpt-4o-mini-tts (dieselbe Fassung, für Sprachausgabe) und das Videomodell sora-2 in der Fassung vom 8. Dezember 2025. In der Abschaltliste von Microsoft ist die Spalte „Ersatz“ bei allen vier leer. Anfragen an eine abgeschaltete Version beantwortet Azure nach den eigenen Lebenszyklus-Regeln mit dem Fehler 410 Gone.

Warum das für Sie zählt. Die leere Spalte ist nicht die ganze Wahrheit. Dieselbe Liste führt für zwei der vier Modelle eine neuere Fassung vom 15. Dezember 2025, die bis Juni 2027 läuft. Azure schaltet Versionen ab, nicht Fähigkeiten. Das Problem ist nicht, dass es keinen Weg gibt, sondern dass niemand ihn für Sie geht: Das Abschaltdatum einer Modellversion steht bei Microsoft vom ersten Tag an fest, der Umzug ist Ihre Aufgabe oder die Ihres Systemhauses. Wer heute nicht weiß, welche Versionsnummer die eigene Telefonansage oder das Protokollwerkzeug aufruft, erfährt es über die Fehlermeldung.

Was genau abgeschaltet ist und was weiterläuft

Abgeschaltet am 15.10.2026Was die Liste stattdessen führtLäuft laut Liste bis
gpt-4o-transcribe
Fassung 2025-03-20, Sprache zu Text
Keine neuere Fassung desselben Modells. Im Katalog stehen gpt-4o-transcribe-diarize (mit Sprechererkennung), gpt-transcribe für Audiodateien und gpt-live-transcribe für Echtzeit, das Microsoft als empfohlenes Modell für Echtzeit-Transkription bezeichnet.diarize bis 15.04.2027. Für gpt-transcribe und gpt-live-transcribe nennt die Abschaltliste kein Datum.
gpt-4o-mini-transcribe
Fassung 2025-03-20, Sprache zu Text
Dasselbe Modell in der Fassung 2025-12-15, allgemein verfügbar, laut Katalog mit besserer Genauigkeit.15.06.2027
gpt-4o-mini-tts
Fassung 2025-03-20, Text zu Sprache, Vorschau
Dasselbe Modell in der Fassung 2025-12-15, allgemein verfügbar.15.06.2027
sora-2
Fassung 2025-12-08, Video, Vorschau
Nichts. Auch OpenAI selbst hat sora-2 am 24. September 2026 ohne Ersatz abgeschaltet.Kein Nachfolger in der Liste

Die Abschaltliste trägt den Stand vom 23. September 2026, der Modellkatalog den vom 8. Oktober 2026. Beide stammen von Microsoft, und sie widersprechen sich in einem Punkt: Die Liste führt gpt-4o-transcribe als allgemein verfügbar, der Katalog als Vorschau. Für Ihre Planung ist das zweitrangig. Für die Frage, wie viel Vorlauf Microsoft schuldet, nicht, denn für Vorschau-Modelle gelten andere Fristen.

Welche Stufe hat Ihr Modell gerade?

Microsoft beschreibt für jedes Modell in Azure einen festen Lebenszyklus. Wer ihn kennt, kann jede Abkündigung einordnen, auch die von morgen und auch bei anderen Anbietern, denn OpenAI arbeitet mit denselben Begriffen.

Stufe 1
Vorschau

Das Modell kann sich jederzeit ändern. Microsoft sagt ausdrücklich: nicht für den Produktivbetrieb. Bei der Abschaltung werden Vorschau-Versionen zwangsweise auf einen Nachfolger gehoben oder beendet, mit mindestens 30 Tagen Vorlauf.

Beispiel: gpt-4o-mini-tts vom März 2025 war bis heute eine Vorschau. Wer damit Telefonansagen erzeugt hat, lief anderthalb Jahre auf einem Modell ohne Zusage.

Stufe 2
Allgemein verfügbar

Modell und Schnittstelle sind eingefroren. Das Abschaltdatum steht laut Microsoft vom Starttag an fest, in der Regel 18 Monate später, und ist nicht verlängerbar.

Beispiel: gpt-4o-mini-transcribe vom Dezember 2025 läuft bis zum 15. Juni 2027. Tragen Sie dieses Datum heute in den Kalender ein.

Stufe 3
Abgekündigt

Bestandskunden können das Modell weiter nutzen und sogar neu ausrollen, Neukunden nicht mehr. Davor liegt bei Bedarf die Stufe „Legacy“: Es gibt Besseres, planen Sie den Umzug. Den offiziellen Ersatz benennt Microsoft erst 90 bis 120 Tage vor der Abschaltung.

Beispiel: gpt-4.1-nano ist abgekündigt und läuft bis zum 14. April 2027. Ein Ersatz ist noch nicht benannt. Das ist bei Microsoft normal und kein Grund zu warten.

Stufe 4
Abgeschaltet

Jede Anfrage bekommt die Antwort 410 Gone. Ein Deployment mit automatischem Upgrade wechselt vorher auf die Standardversion, wenn Microsoft eine hinterlegt hat. Ohne hinterlegte Standardversion oder mit der Einstellung „kein automatisches Upgrade“ steht die Anwendung still.

Beispiel: die vier Versionen von heute.

Lesart: Die Stufe sagt Ihnen, wie viel Zeit bleibt. Mindestens 60 Tage vor einer Abschaltung schreibt Microsoft die Eigentümer:innen des Azure-Abonnements an. Das ist oft Ihr Systemhaus, nicht Sie.

Ein KI-Modell über eine Schnittstelle ist eine Versionsnummer mit Verfallsdatum. Das Datum steht am ersten Tag fest, der Umzug nicht.

Drei Fragen, die heute Antworten brauchen

1. Lässt sich das Problem umgehen, indem man direkt zu OpenAI wechselt?

Nein. OpenAI führt auf der eigenen Abkündigungsseite dieselben Modelle: gpt-4o-transcribe und gpt-4o-mini-transcribe enden dort am 26. Februar 2027, gpt-4o-mini-tts in beiden Fassungen am 6. Januar 2027, sora-2 ist seit dem 24. September 2026 abgeschaltet. Als Ersatz nennt OpenAI gpt-transcribe und gpt-live-transcribe für Transkription sowie gpt-realtime-2.1-mini für Sprachausgabe. Der Wechsel würde also nur den Termin verschieben. Und er hätte einen Preis: Wer Azure mit einer Bereitstellung in der EU-Datenzone gewählt hat, bekommt laut Microsoft die Zusage, dass Anfragen und Antworten innerhalb der Azure EU Data Boundary verarbeitet werden. Diese Entscheidung sollte niemand nebenbei rückgängig machen, weil ein Modell ausläuft.

2. Was ist in Ihrem Azure-Konto heute tatsächlich passiert?

Das hängt von einer Einstellung ab, die kaum jemand kennt: der Upgrade-Option je Deployment. Sie hat drei Werte. „Bei neuer Standardversion“ wechselt innerhalb von zwei Wochen, sobald Microsoft eine neue Standardversion festlegt. „Bei Ablauf“ wechselt erst am Abschalttag auf die dann gültige Standardversion; das ist die Voreinstellung, wenn nichts gesetzt wurde. „Kein automatisches Upgrade“ lässt das Deployment am Abschalttag stillstehen. Ob Ihre Transkription heute also weiterläuft, auf die Dezember-Fassung gehoben wurde oder mit 410 antwortet, steht in dieser Einstellung und darin, ob Microsoft für das Modell eine Standardversion hinterlegt hat. Die Abschaltliste sagt dazu nichts, und für gpt-4o-transcribe gibt es keine neuere Fassung, auf die ein Upgrade zeigen könnte.

3. Wer ist in Ihrem Betrieb zuständig?

Die Benachrichtigung geht an die Eigentümer:innen des Azure-Abonnements. Wenn Ihr Systemhaus das Abonnement verwaltet, landet die E-Mail dort. Ob jemand sie liest und ob daraus ein Auftrag an Sie wird, regelt kein Lebenszyklus, sondern Ihr Wartungsvertrag. Prüfen Sie, ob darin steht, wer Abkündigungen verfolgt, wer den Umzug testet und wer ihn bezahlt.

Die Stolperfallen

Was das für Ihren Betrieb heißt

  1. Inventar der Modellversionen anlegenDiese Woche

    Lassen Sie sich von Ihrer IT oder Ihrem Systemhaus eine Liste geben: Anwendung, Deployment-Name, Modell, Fassung, Stufe, Abschaltdatum. Die Fassung steht im Foundry-Portal unter „Deployments“ in den Eigenschaften jedes Deployments. Erledigt ist der Schritt, wenn neben jeder KI-Anwendung ein Datum steht.

  2. Upgrade-Option je Deployment festlegen

    Entscheiden Sie bewusst zwischen automatischem Wechsel und manuellem Umzug mit Test. Automatisch ist bequem, kann aber über Nacht Stimme, Tonfall oder Transkriptionsqualität verändern. Manuell heißt: Sie müssen den Termin selbst halten. „Kein automatisches Upgrade“ ohne Kalendereintrag ist die schlechteste Kombination.

  3. Alarm einrichten und Zuständigkeit benennen

    In Azure Service Health einen Alarm für den Dienst „Azure OpenAI Service“ anlegen, der an eine Adresse in Ihrem Betrieb geht, nicht nur ans Systemhaus. Eine Person liest einmal im Quartal die Abschaltliste und vergleicht sie mit dem Inventar. Erkennungsmerkmal: Der nächste Abschalttermin aus Ihrem Inventar steht im Teamkalender.

  4. Nachfolger mit eigenen Daten testen

    Für jede ablaufende Fassung ein Kandidatenmodell aus dem Katalog mit zehn eigenen Aufnahmen prüfen: Verständlichkeit, Umgang mit Fachbegriffen und Dialekt, Dauer, Kosten. Microsoft empfiehlt genau das statt öffentlicher Ranglisten. Beim Protokollieren von Besprechungen lohnt der Blick auf die Modelle mit Sprechererkennung.

  5. Wartungsvertrag um Abkündigungen ergänzen

    Vereinbaren Sie mit dem Systemhaus schriftlich, wer Abkündigungen verfolgt, wer den Umzug testet, bis wann er abgeschlossen ist und was er kostet. Ohne diese Zeile zahlen Sie den Umzug im Notfall zum Stundensatz.

Zum Abhaken

Fragen Sie nicht, ob Ihr KI-Dienst läuft. Fragen Sie, welche Fassung er aufruft und wann die abläuft.

Quellen

  1. Microsoft Learn: Model retirement schedule (Microsoft Foundry), Stand 23.09.2026, abgerufen 15.10.2026Primärquelle des Anbieters. Belegt die vier Abschaltungen zum 15.10.2026, die leere Ersatzspalte und die Nachfolgefassungen vom 15.12.2025 mit Laufzeit bis 15.06.2027. Belegt nicht, was in einem einzelnen Konto geschieht.Abschaltliste
  2. Microsoft Learn: Foundry Models lifecycle and support policy, Stand 24.07.2026Primärquelle zu den Lebenszyklus-Stufen, zum Fehler 410 Gone, zu den Fristen von 60 und 30 Tagen, zu Zwangs-Upgrades bei Vorschau-Modellen und zur Benachrichtigung über E-Mail und Service Health. Belegt die Regel, nicht ihre Einhaltung im Einzelfall.Lebenszyklus
  3. Microsoft Learn: Working with models (Upgrade-Konfiguration von Deployments), Stand 05.06.2026Primärquelle zur Upgrade-Option mit drei Werten und zur Voreinstellung bei leerem Wert. Belegt die Mechanik, nicht, welcher Wert in Ihrem Deployment steht.Upgrade-Option
  4. Microsoft Learn: Foundry Models sold by Azure (Modellkatalog), Stand 08.10.2026Modellkatalog des Anbieters. Belegt die verfügbaren Audio-Modelle gpt-transcribe, gpt-live-transcribe, gpt-4o-transcribe-diarize und die Fassungen vom 15.12.2025. Führt gpt-4o-transcribe als Vorschau, im Widerspruch zur Abschaltliste.Modellkatalog
  5. Microsoft Learn: Understanding deployment types in Microsoft Foundry Models, Stand 12.08.2026Primärquelle zur EU-Datenzone: Verarbeitung von Anfragen und Antworten innerhalb der Azure EU Data Boundary. Belegt die Zusage des Anbieters, nicht deren Prüfung durch Dritte.Deployment-Typen
  6. OpenAI: Deprecations (Abkündigungen der API-Modelle), abgerufen 15.10.2026Primärquelle des Modellherstellers. Belegt, dass dieselben Modelle auch bei OpenAI abgekündigt sind, mit Abschaltdaten 24.09.2026 (sora-2), 06.01.2027 (gpt-4o-mini-tts) und 26.02.2027 (Transkription), sowie die dort empfohlenen Nachfolger. Belegt nichts über Azure.developers.openai.com
  7. Microsoft Q&A: „Model retirement - update to what? gpt-4o-transcribe“, Beiträge von September 2025 bis Januar 2026Diskussionsbeitrag im Forum des Anbieters mit Antworten von Microsoft-Moderatoren. Belegt, dass der Abschalttermin dieser Fassung zweimal verschoben wurde und Kund:innen ohne benannten Nachfolger blieben. Belegt keine Tatsache über einzelne Konten.Microsoft Q&A